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Grundlagenforschung zum Planungswettbewerb
Forscher der Gruppe für Soziale und Räumliche Komplexität des Departements Geowissenschaften haben mit ihrer Grundlagenforschung zum Planungswettbewerb Neuland beschritten und die Behandlung von Komplexität in den Sozialwissenschaften entscheidend vorangetrieben.
Planungs- und Architekturwettbewerbe sind ein faszinierender Forschungsgegenstand. An ihnen lässt sich in empirisch fassbaren Einheiten nachvollziehen, wie ein scheinbar gegebener Ort, solide und verfestigt durch Glas, Beton, Stahl oder durch eine von Routinen stabilisiertes Image und eine institutionalisierte Weise des Gebrauchs, verflüssigt wird. Mit dem Wettbewerb tritt an die Stelle des einen, gegebene Ortes, eine Vielzahl von Alternativen Zukünften, eine Vielheit (Multiplizität) des Werdens von Raum, ein Eröffnen von Alternativen der Morphogenese. Durch die Arbeit der Jurie wird der Raum wiederum verengt, eine einzige Lösung stratifiziert die Möglichkeiten, der Ort wird wiederum verfestigt.
Das vom Schweizer Nationalfonds unterstütze Projekt, welches Ende 2011 abgeschlossen wurde, führt ganz bewusst Metaphern von Aggregatzuständen, Phasenübergängen oder Emergenz an. Indes liegt die Innovationskraft der ausgeführten Arbeiten vor allem darin, dass sie über eine im Grunde problematische Übertragung von Metaphern aus der Physik in die Welt sozialwissenschaftlicher Geographie ausgeht und Ansätze zur Konzeption Sozialer Komplexität signifikant vorangetrieben haben. Dies wurde ermöglicht durch eine analytische Lesung der philosophischen Konzepte von Gilles Deleuze und Felix Guattari.
Das Projekt erregte fächerübergreifend Aufsehen, indem es ein Brücke spannte zwischen der genannten Philosophischen und also meta-theoretischen Ebene, problemspezifischen Konzeptionen (wie die Theoretisierung von juriebasierter Entscheidungsfindung) und der empirischen Feldarbeit. Die Ergebnisse konnten in renommierten Zeitschriften der Humangeographie, der Architektur, der Organisationswissenschaften, der Informationswissenschaften, der Raumplanung und der Wissensökonomie platziert werden. Dies weist auf den postdisziplinären Charakter der Arbeiten hin, der auch durch die Kombination von ethnographischem Vorgehen und der Konstruktion von Datenbanken angezeigt wird.
Die Hauptergebnisse umfassen eine Erklärung der Ko-Evolution von architektonischem Stil, der Konstitution eines nationalen Bauleistungsmarktes und des Entstehens des für Architekten noch heute identitätsprägenden Wettbewerbswesens. Weiter ist es gelungen, die konstitutiven Charakteristika von jurie-basierten Entscheidungsprozeduren (wie in klassischen Wettbewerben) theoretisch und konzeptionell abzugrenzen von Experten-basierten Entscheidungsweisen (wie in der Organisation öffentlicher Märkte gemäss Welthandels-Organisation oder wie in den mit der Europäischen Union festgelegten Regelungen). Hiermit leistet das Projekt einen wertvollen Beitrag für ein bislang vor allem juridisch erörtertes Feld. (geographiesofarchitecture.net)
Projektleiter
Prof. Dr. habil Joris E. Van Wezemael
Gruppe für Soziale und Räumliche Komplexität | D-Geowiss | Universität Freiburg | +41 26 300 92 55Mitarbeiter
Dr. Jan Silberberger
Gruppe für Soziale und Räumliche Komplexität | D-Geowiss | Universität Freiburg | +41-44-633 38 55Dr. Sofia Paisiou
Gruppe für Soziale und Räumliche Komplexität | D-Geowiss | Universität Freiburg | +41 26 300 93 85Dr. Ignaz Strebel
ETH Wohnforum | ETH Zurich | +41-44-633 39 74